Russen als zärtliches Unglück, die einer Frau nur deshalb die Hand küssen, damit sie die Wodkafahne nicht ins Gesicht bekommt, geschmeidige Geisha und Samurai, die den Müll runter bringen – mit ihrem Programm „Erogene Klimazonen“ gastierten Olga Lomenko und Dimitrij Sacharow auf der Kleinkunst-Waldbühne im Bad Schwalbacher Alleesaal.
Zum „Internationalen Kongress der Sexualkunde“ haben die beiden eingeladen, um dem imaginären Herrn Professor die Ergebnisse ihrer Forschungsreise per Videoband zu präsentieren. Doch Assistent Dimitrij hat die Kassetten in untauglichen Bändersalat verwandelt, und Referentin Olga muss die Szenen vor ihren vermeintlichen Kolleginnen und Kollegen, sprich, dem Publikum nachstellen – so die Rahmenhandlung des aufklärenden Musikkabaretts.
„Es ist Karneval in Venedig, erotisches Knistern, der rätselhafte Unbekannte neben Ihnen in der Gondel lüftet die Maske, zieht seine Schuhe aus und fotografiert Sie. Wo kommt der Mann her?“, lässt Olga Lomenko das Publikum rätseln und bedient mit unglaublicher Bühnenpräsenz erotische Länderklischees. Selbstironisch und pikant bewegt sie sich dabei stets oberhalb der Gürtellinie: Der spanische Macho der nur allzu gerne im „Hotel Mama“ wohnt, der grübelnde Deutsche, der aus lauter Angst vor einem Korb nicht zur Sache kommt oder der Charme versprühende Franzose, dessen Haut nach „Mon Cherie“ und „Chanell No. 5“ duftet.
Mit rosafarbenem Plüschfächer schmettert Olga Lomenko stimmgewaltig „Granada“ durch den Saal und legt im knallengen Kostüm auf hohen Absätzen mit Wuschelperücke und pompöser Glitzerbrille einen fetzigen Rock’n’Roll aufs Parkett. Einem Wirbelsturm gleich, reißt sie das Publikum mit, singt mal temperamentvoll, mal liebevoll zugeneigt, nicht nur in allen gängigen Fremdsprachen, sondern auch Russisch, Arabisch und Japanisch, und bestätigt einmal mehr ihre eigene Aussage, sie habe erst singen und dann sprechen gelernt.
Immer wieder zieht Dimitrij Sacharow passende Accessoires aus seinen drei mitgebrachten Reisekoffern, sorgt mit orientalischem Schleier, duftenden Räucherstäbchen und Folien auf dem Overheadprojektor für amüsante Unterstreichung der Klischees. Unter seiner musikalischen Begleitung auf dem Flügel, räkelt sich Olga Lomenko ohne Rock und Bluse lasziv auf dem Stuhl, haucht das Lied „Etienne“ und demonstriert die Liebesgewohnheiten der Welt von romantisch bis leidenschaftlich fauchend.
Immer mit einbezogen das begeisterte Publikum, das an den Händen gefasst nach Reiki-Manier Energie auflädt und tosenden Beifall spendet, als das Kabarett-Duo zwei willkürlich ausgewählte Zuschauer bühnenreif „verheiratet“. Wunderkerzen, Konfettiregen, Reispäckchen fliegen, Sektkorken knallen und schießen die Stimmungsrakete in den Zenit. Bei einer letzten Zugabe schnippt das entflammte Publikum den Takt mit den Fingern mit, während Olga Lomenko noch einmal stimmgewaltig „Fever“ singt.
