Der Cirque du Soleil gastiert mit „Saltimbanco“ bis Sonntag in der Porsche-Arena – Ein Blick hinter die Kulissen
Stuttgart – In sechs Stunden beginnt die Vorstellung. Auf der Bühne in der Porsche-Arena herrscht entspanntes Treiben. Gespannt sind nur die Muskeln der trainierenden Artisten. Die Mitwirkenden der Nummer „Chinese Poles“ üben nochmal ihre Schrittfolgen, klettern die Stangen hoch, als gingen sie spazieren, rutschen kopfüber in die Tiefe, um kurz vor dem Boden zu stoppen. Einer „schwebt“ komplett gestreckt waagerecht von der Stange – und lächelt, während er einen Klimmzug macht. Artistik vom Feinsten.
Was bei der Show „Saltimbanco“ des Cirque du Soleil den Besuchern geboten wird, ist atemberaubend. 50 Artisten aus 21 Ländern sorgen während der zweistündigen Show für viele offenen Münder und große Augen. „Wir wollen dem Publikum schon etwas ganz Besonderes bieten“, erläutert Maxime Charbonneau die Philosophie des kanadischen Unternehmens. „Wir bieten eine eigene kleine Welt.“ 95 Personen reisen mit der Urshow des Cirque du Soleil von Ort zu Ort. Die Zirkusshow, die es seit 18 Jahren gibt und inzwischen von elf Millionen Menschen gesehen wurde, ist so modifiziert worden, dass sie auch in Hallen gezeigt werden kann. Alle der insgesamt 19 Shows sollen sukzessive hallenkompatibel werden. „So können wir an Orten auftreten, in denen wir noch nie waren.“
Für die großen Zeltshows sind 50 Lastwagen nötig, um das Equipment zu transportieren. „Saltimbanco“ benötigt 15. „In zwei bis drei Stunden ist alles verpackt.“ Das Team ist eingespielt. Jeder weiß, was zu tun ist. 1200 Kostüme beziehungsweise Einzelteile stehen zur Verfügung. Vier festangestellte Mitarbeiter sowie zwei bis drei Helfer aus der jeweiligen Stadt sorgen dafür, dass alles für die Vorstellungen bereit ist. Es wird gewaschen, gereinigt, gebügelt, ausgebessert, geändert, nachkoloriert. Die Kostüme aus den unterschiedlichsten Materialien werden in Montreal, dem Sitz des Cirque du Soleil, hergestellt. „Es ist unterwegs viel zu tun.“ Victoria ist für die 250 Schuhe zuständig. Sie schwört auf eine alte Singer-Nähmaschine. „Die ist schwer, leistet aber sehr gute Arbeit.“ Von der Porsche-Arena ist sie begeistert. „Wir haben hier sehr viel Platz, alles ist neu, es riecht gut.“ Dies sei nicht überall so. Teilweise sind die Locations über 100 Jahre alt. „Für die Show ist das gut“, ergänzt Charbonneau. Aber hinter der Bühne ist alles sehr beengt. 15 Meter hoch muss die Halle mindestens sein. Ein Produktionsteam prüft vorab die Hallen auf Eignung.
Direkt hinter der Bühne ist der Aufwärmbereich, am Monitor kann verfolgt werden, was sich auf der Bühne gerade tut. „Jede Show wird aufgezeichnet.“ Auch ein kleiner mobiler Kraftraum ist dabei. Die Artisten halten sich fit. Verletzt sich einer, gibt es keinen Ersatz. „Dann wird modifiziert.“ Einmal ging die Grippe um. Sechs Artisten waren betroffen. Zwischen den acht Vorstellungen in Stuttgart wird nicht zu intensiv trainiert. Seit fünf Wochen tourt „Saltimbanco“ durch Europa, noch fünf stehen vor ihnen.
Beim Cirque du Soleil sind 1500 Artisten beschäftigt. Eine eigene Abteilung sucht nach entsprechenden Talenten bei Sportwettkämpfen und nimmt Kontakt auf. Einige Olympiateilnehmer sind unter Vertrag. Zudem gibt es öffentliche Vorsprechen, bei denen das Können gezeigt werden kann. „Und wir haben engen Kontakt zu Zirkusschulen.“ Das Interesse, Teil des Cirque du Soleil zu werden, ist groß.
Es gibt noch Restkarten für alle Vorstellungen von Saltimbanco heute um 20 Uhr, morgen und am Samstag um 16 und 20 Uhr sowie am Ostersonntag um 13 und 17 Uhr.
Quelle: Esslinger Zeitung
